STEISSBEINFISTEL OP

Nur durch eine dauerhafte Beseitigung des gesamten Fistelsystems kann eine definitive Heilung eintreten und ein erneuter Abszess verhindert werden. Steißbeinfisteln werden stationär oder ambulant operiert. Der stationäre Aufenthalt hat den Vorteil, dass man nach der OP die bestmögliche Betreuung durch geschultes Fachpersonal hat und rund um die Uhr unter Beobachtung steht. Der Aufenthalt in der Klinik beschränkt sich auf drei bis vier Tage. Eine regelmäßige Nachuntersuchung am Wohnort des Patienten ist jedoch erforderlich.

Der ambulante Eingriff dient nur zur Entfernung der Fistel, nach der OP kann man nach Hause. Die Betreuung des Patienten sollte in diesem Fall  für mindestens  24 Stunden gewährleistet sein. Am Morgen nach der OP erscheint der Patient nochmals zur Nachkontrolle in der Klinik. Die notwendige Nachkontrolle erfolgt regelmäßig durch niedergelassene Ärzte am Wohnort der Patienten.

Bei einem akuten Abszess ist eine chirurgische Entlastung unverzichtbar. Grundsätzlich kann die Sanierung des Abszesses unter radikaler Exzision (Metzgermethode) des Abszesses und der einzelnen Fistelgänge erfolgen. Hier  ist mit einer großen Wunde mit  langer Heilungsdauer zu rechnen. Diese kann sich von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren belaufen. Die klassische Art der Steißbeinfistel Operation gilt nicht mehr als zeitgemäß.

Steißbeinfistel Operation

Bei blanden Verlauf oder bei chronisch entzündlichen Steißbeinfisteln kann eine selektive OP unter lokaler Betäubung erfolgen. Die selektive Operation gilt als Therapie der Wahl bei primärer Erkrankung. Diese OP kann mehrheitlich unter lokaler Betäubung und als tagesstationärer Eingriff durchgeführt werden. Bei dieser Operationstechnik wird über die in der Gesäßfalte befindlichen Fistelöffnungen Methylenblau injiziert. Anschließend erfolgen eine sparsame Exzision der Fistelöffnungen und eine selektive Präparation entlang des Fistelstrangs. Studien belegen, dass dieses limitierte Verfahren bezüglich der Rezidive mit Verfahren, die mit einer großzügigen Operation einhergehen, gleichwertig ist. 


Die Methode führte bei einer Nachbeobachtungszeit von 28 Monaten zu einer Rezidivrate von 5 Prozent. Eine 5 jährige Langzeitbeobachtung, an der über 250 Patienten teilnahmen, bestätigt die guten Resultate mit einer Rezidivrate von 7 Prozent. Diese Daten wurden noch nicht veröffentlicht.

Neben der geringen Rezidivrate ist die verkürzte Heilungsdauer einer der Hauptvorteile der minimalen Exzision. Das Verfahren hat sich in der Zwischenzeit an mehreren Kliniken als das Standardverfahren bei primärer oder rezidivierender Steißbeinfisteln mit nur wenig  ausgeprägtem Befund etabliert.

Bei großen Befunden mit mehreren, teils weit auseinander liegenden Fistelöffnungen ist nach wie vor eine großzügige Exzision unter Vollnarkose das Mittel der Wahl. Um die Wundheilungszeit und den Arbeitsausfall zu reduzieren, wird von den Kliniken dabei ein primärer Wundverschluss angestrebt.

Die primären Wundverschlüsse in der Gesäßfalte sollten vermieden werden, da die Rezidivrate bei dieser Operationstechnik erhöht ist. Die plastische Deckung mittels eines Hautlappens ist zu bevorzugen. Als Lappenplastik der Wahl hat sich der modifizierte Limberg-Lappen etabliert. Der Krankenhausaufenthalt beträgt  zwischen 3 und 5 Tagen. Mit dieser Steißbeinfistel OP lässt sich eine niedrige Rezidivrate von  3 % erreichen. Die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit bewegt sich bei dieser Operationart zwischen 12 und 17 Tagen.

Nachteile des Limberg-Lappens sind das Auftreten einer teilweise permanenten Verminderung der Berührungs- und Drucksensibilität der Haut, die bei 2% bis 5% der Patienten in Erscheinung tritt. Auch ist auf das Verschwinden der Gesäßfalte zu achten und seitens der Ärzte darauf hinzuweisen.

Steißbeinfistel OP mit offener Wundheilung

Diese Operationsmethode wird unter örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose durchgeführt. Zuerst wird die Fistel mit dem Skalpell gespalten, um das Ablaufen des Blut- und Eitersekrets zu ermöglichen. Dann wird die Fistel mit Methylenblau eingefärbt, um alle Fistelgänge sichtbar zu machen. Anschließend wird der ganze Bereich großräumig bis ins gesunde Gewebe ausgeschnitten. Die Tiefe der Wunde reicht bis auf die Knochenhaut des Steißbeins, welches anschließend noch abgeschabt wird, um ein Wiederkommen (Rezidiv) der Fistel zu verhindern. Je nach Art und Größe der Steißbeinfistel kann es zu einer beachtlichen Größe der Wunde kommen. Die Wunde wird nicht vernäht, das heißt sie bleibt offen und wird nur mit Tamponage aufgefüllt, um eine langsame Wundheilung zu gewährleisten. Die Heilungsdauer richtet sich nach Größe der Wunde und kann bis zu mehrere Monate betragen.

Operation mit primärer Wundheilung - Zunähen der Wunde

Die Entfernung der Steißbeinfistel erfolgt wie in der ersten Variante, mit dem großen Unterschied, dass die Wunde anschließend durch Zunähen verschlossen wird. Diese Methode der Steißbeinfisteloperation hat den Vorteil einer schnelleren Wundheilungsdauer. Sie hat den großen Nachteil, dass durch das Verschließen der Wunde es häufig zu Wundheilungstörungen und Wundinfekten kommt.

Alternativen zur klassischen Operation von Steißbeinfisteln

Als Alternative zur klassischen, großzügigen Exzision gelten die minimal invasiven Operationstechniken wie zum Beispiel das Pit-Picking nach Bascom, oder die Steißbeinfistel Operation nach Karydakis. Sie gelten als schmerzarm und werden teilweise endoskopisch durchgeführt. Operationen mit Lappenplastiken (Limberg-Plastik, Rhomboid- Plastik, V-Y-Plastik) sind deutlich aufwendiger, verschieben das Hautgewebe des Gesäß und verändern das ästhetische Erscheinungsbild. Allerdings sind ihre Heilungsraten deutlich größer.

Heilerfolge und Rezidive

Patienten Erfahrungen über ihre behandelnden Ärzte und Kliniken, deren Operationsmethoden und Erfolge, sowie weiterführende Fragen und Antworten zur Nachbehandlung und der Wundversorung von Steißbeinfisteln finden Sie in unserem Forum.